Hölloch: Unterwegs in einem der grössten Höhlensysteme Europas
Unter den Wiesen des Muotatals liegt das Hölloch. Mit mehr als 210 Kilometern erforschter Gänge ist es die längste Höhle der Schweiz und gehört zu den längsten Höhlen Europas und der Welt. Zwischen seinem tiefsten und seinem höchsten Punkt liegen 1033 Meter. Keine andere Höhle der Erde verbindet eine solche Tiefe mit einer solchen Länge. Anders als viele Rekordhöhlen ist das Hölloch für Gäste zugänglich: Die geführten Touren reichen vom gemütlichen Rundgang von zwei Stunden bis zur Expedition über mehrere Tage mit Übernachtung im Höhlenbiwak.
Kurze Geschichte einer sehr langen Höhle
Das Loch im Fels bei Stalden kannten die Bauern der Gegend schon immer. Die wissenschaftliche Erforschung begann 1875 unter Alois Ulrich. Bis 1906 wurden die ersten 700 Meter als Schauhöhle mit Wegen und Treppen ausgebaut. Den grossen Aufbruch brachten die 1950er-Jahre mit dem Höhlenpionier Alfred Bögli. Seine Expeditionen erweiterten die vermessene Länge von 25 auf über 100 Kilometer. Als erste Höhle der Welt überschritt das Hölloch damit diese Marke. Vermessen wird bis heute: Eine 2020 entdeckte Verbindung bestätigte die weltweit einzigartige Kombination von Tiefe und Länge. Wie weit das System wirklich reicht, weiss niemand. Das Wasser hat dieses Labyrinth auf drei Stockwerken in knapp einer Million Jahren aus dem Kalk gelöst und arbeitet daran weiter.
Die Touren: vom Spaziergang bis zur Expedition
Alle Besuche sind geführt, denn die Höhle ist ein echtes Labyrinth. Ausgangspunkt ist das Hölloch-Zentrum in Stalden, Muotathal. Im Berg ist es im Sommer wie im Winter konstant 6 °C kalt, die Luftfeuchtigkeit liegt bei fast 100 %. Die wichtigsten Angebote im Überblick:
- Kurztour (ca. 2 h, ab 5 Jahren). Sie führt durch den ausgebauten historischen Teil mit Treppen, Wegen und eindrücklichen Hallen. Meist hält die Führung eine stimmungsvolle Überraschung bereit, etwa einen Moment, in dem man die natürliche Akustik der Höhle hört. Trittsicherheit genügt.
- Einsteigertour (ca. 3 h, ab 6 Jahren). Hier kommen Abstecher in unerschlossene Seitengänge dazu. So bekommen Sie einen ersten Eindruck davon, wie sich richtiges Höhlengehen anfühlt.
- Hölloch-Parcours (ca. 3,5 h, ab 9 Jahren). Der Klassiker für Abenteuerlustige folgt einer unterirdischen Route mit Kletterstellen, Leitern und Kriechpassagen. Mit durchschnittlicher Fitness ist er gut zu schaffen.
- Tagesexpeditionen (7–11 h, ca. November bis Mitte März, ab 10 Jahren). Sie führen tief ins System und haben den Charakter einer Bergtour. Expeditionen gibt es nur im Winter, weil Schmelz- und Regenwasser Teile der Höhle im Sommer gefährlich machen. Unter Tag verhalten sich die Jahreszeiten also gerade umgekehrt.
- Mehrtages-Expeditionen. Übernachtet wird im Biwak «Dom» tief im Berg. Wer einmal eine Nacht im Innern eines Berges verbringen möchte, kann das hier als geführtes Angebot buchen.
Für alle Touren müssen Sie reservieren, weil die Gruppengrösse begrenzt ist. Wer Angst vor engen Räumen hat, muss sich meist weniger Sorgen machen als befürchtet. Auch die engsten Abschnitte der Touren sind bequem passierbar. In der Dunkelheit nimmt man zudem kaum wahr, wie tief man sich im Berg befindet.
Ausrüstung
Helm und Stirnlampe erhalten Sie vor Ort. Mitbringen sollten Sie feste, wasserdichte Schuhe mit gutem Profil und warme Kleidung zum Übereinanderziehen, denn es sind tatsächlich nur 6 Grad. Für den Parcours und die Expeditionen empfehlen sich Kleider, die schmutzig werden dürfen. Auf den Touren mit Kletterstellen sind Handschuhe eine gute Idee.
Anreise
- ÖV: Mit dem Zug nach Schwyz, dann mit dem Bus 501 Richtung Muotathal bis zur Haltestelle «Hölloch, Muotathal». Derselbe Bus fährt auch zur Stoosbahn, deshalb lässt sich ein Besuch im Hölloch gut mit dem Stoos verbinden. Mehr zum Stoos: Gratwanderung Stoos.
- Auto: Beim Hölloch-Zentrum gibt es signalisierte, gebührenpflichtige Parkplätze (Navi: «Stalden 14, 6436 Muotathal»). Gegenüber dem Restaurant steht eine Ladestation für Elektroautos.
- Für das Essen nach der Tour bietet sich das Restaurant Hölloch direkt beim Eingang an.
Den Besuch mit dem Muotatal verbinden
Rund um die Höhle lässt sich gut ein ganzer Tag im Muotatal verbringen, einem Tal, das sich viel von seiner Eigenart bewahrt hat. Die Wetterschmöcker, die Husky-Trekkings, der Urwald Bödmeren und der Suworow-Weg liegen alle in der Nähe. Mehr über das Tal erfahren Sie im Beitrag Muotatal: Die Schweiz abseits der Pfade.
Häufige Fragen
Wie lang ist das Hölloch?
Erforscht sind über 210 Kilometer. Damit ist das Hölloch die längste Höhle der Schweiz und eine der längsten weltweit. Die Verbindung dieser Länge mit 1033 Metern Höhenunterschied gibt es auf der Welt kein zweites Mal.
Kann man das Hölloch ohne Führung besuchen?
Nein, alle Besuche sind geführt. Die Höhle ist ein aktives Labyrinth, in dem Forscher schon tagelang von steigendem Wasser eingeschlossen wurden. Sicher wird der Besuch erst durch die Führung und die fest installierten Sicherheitssysteme.
Ist das Hölloch für Kinder geeignet?
Ja. Die Kurztour ist ab fünf Jahren möglich, die Einsteigertour ab sechs, der Parcours ab neun und die Tagesexpedition ab zehn Jahren.
Wie kalt ist es in der Höhle?
Das ganze Jahr über ist es konstant 6 Grad kalt bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Ziehen Sie sich deshalb warm an, ganz gleich, wie das Wetter draussen ist.
Warum gibt es die grossen Expeditionen nur im Winter?
Im Sommer können Schmelz- und Regenwasser die tieferen Gänge innert Stunden fluten. Im Winter ist die Oberfläche gefroren und hält das Wasser zurück. Deshalb bleibt die tiefe Höhle in dieser Zeit trocken und sicher.
Braucht es Höhlenerfahrung?
Für die Kurztour, die Einsteigertour und den Parcours brauchen Sie keine. Tages- und Mehrtagesexpeditionen verlangen eine gute Kondition, aber keine technischen Vorkenntnisse.


