Kultur

Kloster Einsiedeln besuchen: Was Sie im bedeutendsten Wallfahrtsort der Schweiz erwartet

Kloster Einsiedeln besuchen: Was Sie im bedeutendsten Wallfahrtsort der Schweiz erwartet

Das Kloster Einsiedeln ist ein Benediktinerkloster mit über tausendjähriger Geschichte und der bedeutendste Wallfahrtsort der Schweiz. Seine Klosterkirche zählt zu den wichtigsten Barockkirchen des Landes. Gleich hinter dem Eingang steht in einer kleinen Marmorkapelle die Schwarze Madonna, das bekannteste Gnadenbild der Schweiz. Seit mehr als einem Jahrtausend kommen Pilgerinnen und Pilger hierher. Heute ist die Kirche für alle offen, gleich welchen Glaubens, an jedem Tag des Jahres und ohne Eintritt. Hier finden Sie, was Sie für Ihren Besuch wissen sollten.

Was Sie in Einsiedeln besuchen

Einsiedeln ist kein Museum. Im Kloster leben mehrere Dutzend Benediktinermönche, die hier beten, unterrichten und arbeiten. Zum Kloster gehören eine eigene Kellerei, eigene Werkstätten und das älteste Gestüt Europas. Die heutige Anlage entstand im frühen 18. Jahrhundert und gehört zu den bedeutendsten Barockbauten der Schweiz. Ihre Fundamente reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück, in die Zeit des Einsiedlers Meinrad im «Finstern Wald». Einsiedeln ist ausserdem eine wichtige Station am Schweizer Jakobsweg. Die Wallfahrt wird bis heute gelebt, deshalb sind Sie in der Kirche meist nicht nur unter Touristen, sondern auch unter Pilgerinnen und Pilgern.

Die Schwarze Madonna

Gleich hinter dem Kircheneingang steht die Gnadenkapelle. Darin befindet sich die Figur, die jedes Jahr gegen eine Million Menschen nach Einsiedeln führt: eine spätgotische Madonna aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, kaum 120 cm gross, bekleidet und gekrönt. Ihre dunkle Farbe stammt vom Russ der Lampen und Kerzen, die jahrhundertelang vor ihr brannten. Als bei einer Restaurierung das helle Holz darunter zum Vorschein kam, waren die Gläubigen so bestürzt, dass man die Figur endgültig schwarz fasste. Die Madonna besitzt über 20 Prunkgewänder, die nach dem liturgischen Kalender gewechselt werden. Wer öfter kommt, sieht sie deshalb selten zweimal im gleichen Kleid.

Jeden Tag am späten Nachmittag versammeln sich die Mönche vor der Gnadenkapelle und singen das mehrstimmige Salve Regina. Der Gesang dauert etwa zehn Minuten. Er ist öffentlich, Sie können also ohne Anmeldung und ohne Eintritt in der Kirche dabei sein. Wer ihn hören möchte, sollte am späten Nachmittag noch in Einsiedeln sein; die genaue Zeit steht auf der Seite des Klosters.

Die Stiftsbibliothek (nur mit Führung)

Hinter verschlossenen Türen liegt eine der grossen Klosterbibliotheken Europas. Sie umfasst rund 230 000 gedruckte Bände sowie Handschriften, die bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. Herzstück ist der reich ausgestattete Rokokosaal. Die Bibliothek ist ausschliesslich mit einer Führung zugänglich. Diese findet in der Regel täglich am frühen Nachmittag statt, ausser an Sonn- und Feiertagen. Sie dauert rund 90 Minuten und umfasst Kirche und Bibliothek; die aktuellen Zeiten und Preise nennt das Kloster. Private Führungen in weiteren Sprachen vermittelt Einsiedeln Tourismus. Wer sich für alte Bücher und Handschriften interessiert, kann gut einen ganzen Ausflug um diese Führung herum planen.

Was es sonst zu sehen gibt

  • Panorama und Diorama: Nahe beim Kloster zeigt das Panorama ein grosses Rundgemälde von Jerusalem zur Zeit der Kreuzigung. Im Diorama steht eine der grössten Weihnachtskrippen der Welt. Beide stammen aus der grossen Zeit des Pilgertourismus und haben sich ihren altmodischen Charme bewahrt.
  • Der Marstall: Hier stehen die «Cavalli della Madonna» aus dem ältesten durchgehend betriebenen Gestüt Europas. Teile der Stallungen sind öffentlich zugänglich.
  • Der Herrenberg: Nach einem kurzen Aufstieg hinter dem Kloster sehen Sie die mächtige Fassade und den Klosterplatz so, wie man sie von Postkarten kennt.
  • Der Klosterladen: Hier gibt es Wein aus den klostereigenen Rebbergen, Bücher und die Schafböcke, ein Honiggebäck, das in Einsiedeln seit Jahrhunderten gebacken wird.
  • Der Sihlsee: Der grösste Stausee der Schweiz beginnt am Ortsrand. Am Ufer entlang führen Wege, die sich für Spaziergänge und gemütliche Velotouren durch die ruhige Voralpenlandschaft eignen.

Praktische Informationen

  • Öffnungszeiten der Kirche: Die Kirche ist täglich vom frühen Morgen bis in den späten Abend geöffnet, im Sommer länger. Der Eintritt ist frei. Die aktuellen Zeiten finden Sie auf der Seite des Klosters.
  • Rücksicht auf den Ort: Die Kirche ist ein Gotteshaus und keine Sehenswürdigkeit im üblichen Sinn. Fotografieren und Filmen ist in der Kirche nicht erlaubt. Bitte bedecken Sie die Schultern und verzichten Sie auf kurze Hosen oder Röcke. Gottesdienste haben Vorrang, bewegen Sie sich während der Feiern deshalb möglichst leise.
  • Zeitbedarf: Für Kirche und Gnadenkapelle reicht etwa eine Stunde. Mit Bibliotheksführung, Panorama und einem Bummel durchs Dorf wird ein halber Tag daraus.
  • Übernachten als Pilger: Das Kloster bietet Pilgerinnen und Pilgern einfache Übernachtungen an. Manche Reisende wählen diese Möglichkeit ganz bewusst.
  • 14. September: An diesem Tag feiert Einsiedeln die Engelweihe. Der Legende nach hat Christus selbst die ursprüngliche Kapelle im Jahr 948 geweiht. Die Engelweihe ist in Einsiedeln ein Feiertag und der wichtigste Tag im Jahr des Klosters.

Anreise

  • Ab Zürich: Mit der Bahn via Wädenswil sind Sie in rund 45–60 Minuten in Einsiedeln. Damit gehört das Kloster zu den einfachsten Tagesausflügen ab Zürich.
  • Ab Luzern: Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, mit Umstieg in Arth-Goldau/Biberbrugg.
  • Vom Bahnhof gehen Sie etwa zehn Minuten zu Fuss zum Kloster. Die Fassade sehen Sie schon beim Aussteigen.

Häufige Fragen

Kostet der Besuch des Klosters Einsiedeln etwas?

Nein. Die Kirche mit der Gnadenkapelle und der Schwarzen Madonna ist täglich frei zugänglich. Bezahlen müssen Sie nur die Führungen durch Kirche und Bibliothek.

Warum ist die Madonna schwarz?

Der Russ von Kerzen und Lampen hat das Holz über Jahrhunderte dunkel gefärbt. Als bei einer Reinigung das helle Holz wieder sichtbar wurde, fasste man die Figur bewusst schwarz, damit sie so blieb, wie die Gläubigen sie kannten.

Kann man die Stiftsbibliothek ohne Führung sehen?

Nein, der Rokokosaal ist nur im Rahmen der Führungen zugänglich. Sie finden in der Regel täglich am frühen Nachmittag statt, ausser an Sonn- und Feiertagen.

Wann wird das Salve Regina gesungen?

Die Mönche singen es jeden Tag am späten Nachmittag vor der Gnadenkapelle. Sie können ohne Eintritt dabei sein.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Für einen kurzen Besuch von Kirche und Gnadenkapelle reichen ein bis zwei Stunden. Mit Bibliotheksführung, Panorama, Herrenberg und einem Gang durchs Dorf brauchen Sie einen halben Tag.

Gibt es Kleiderregeln?

Ja. Die Schultern sollten bedeckt sein, kurze Hosen und Röcke sind nicht erwünscht. In der Kirche darf zudem nicht fotografiert werden.

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