Glattalp: Der kälteste Ort der Schweiz und wie Sie ihn besuchen
Hoch über dem Bisistal liegt auf rund 1850 Metern ein weites Karstbecken, das einen nationalen Rekord hält, um den es niemand beneidet. In einer Februarnacht 1991 zeigte eine inoffizielle Messung auf der Glattalp etwa −52,5 °C an. Das ist die tiefste Temperatur, die je in der Schweiz gemessen wurde. Im Sommer zeigt sich dasselbe Becken von einer ganz anderen Seite. Dann glitzert der Bergsee in der Sonne, zwischen den Felsen pfeifen die Murmeltiere und beim Wandern ist es so still, wie man es in den viel besuchten Alpen nur noch selten erlebt. Dank einer kleinen Seilbahn ist die Hochebene erstaunlich leicht zu erreichen.
Warum wird die Glattalp so kalt?
Die Glattalp ist ein Kaltluftsee wie aus dem Lehrbuch. Die Ebene bildet ein geschlossenes Becken, das von höheren Kämmen umgeben ist. In klaren, windstillen Winternächten fliesst schwere Kaltluft von den Hängen hinunter und sammelt sich am Boden des Beckens, weil sie nirgends abfliessen kann. Gleichzeitig strahlt die Schneedecke ihre restliche Wärme in den Himmel ab. Die Messwerte liegen deshalb regelmässig unter jenen bekannter Kälteorte wie La Brévine. Dass die −52,5 °C trotzdem nur als inoffizieller Rekord gelten, liegt daran, dass die Station nicht zum offiziellen Messnetz von MeteoSchweiz gehört. An der Sache ändert das wenig. Kälter als hier wird es nirgends in der Schweiz. Auch in Europa ausserhalb Skandinaviens gibt es kaum einen Ort mit so tiefen Temperaturen.
Im Sommer wirkt das Becken umgekehrt und hält die Wärme. An Julinachmittagen ist es am See oft warm genug für ein T-Shirt, während die Rekordtafel bei der Station von sibirischer Kälte erzählt.
Die Glattalp im Sommer
Von Juni bis Oktober ist die Glattalp ein Wandergebiet, das auch ohne grosse Bergerfahrung gut zugänglich ist. Das Wichtigste im Überblick:
- Hinauf: Die kleine Seilbahn ab Sahli im Bisistal, dem südlichen Seitental des Muotatals, bringt Sie in wenigen Minuten auf die Ebene. Es ist ein klassisches «Bähnli» mit winziger Kabine und weiter Aussicht. Prüfen Sie die Betriebszeiten vor der Fahrt.
- Rund um den Glattalpsee: Die leichte Wanderung um den See ist die bekannteste Tour hier oben. Das türkisfarbene Wasser liegt vor hellem Karst, eingerahmt von den Wänden von Ortstock und Höch Turm. Am Ufer gibt es viele Plätze für ein Picknick. Wer lieber einkehrt, bekommt im Berggasthaus am See eine Rösti.
- Weiter für Geübte: Die Ebene ist Ausgangspunkt für grössere Touren Richtung Charetalp, hinüber nach Braunwald im Glarnerland oder für unsere lange Traverse ab Saliboden durch das innere Tal. Alle Angaben dazu: Vom Saliboden über das Pfaffenkreuz zum Pragelpass.
- Tierwelt: Murmeltiere sieht man fast überall, an den Graten auch Steinböcke und Gämsen. Im Juni blühen in der Karstflora die Enziane.
Die Glattalp ist übrigens auch für das Tal wichtig. Ihr Wasser speist die Kraftwerke im Bisistal. Ihnen verdankt die Seilbahn überhaupt ihre Existenz. Wie so oft in den Schweizer Bergen kommt eine Anlage, die eigentlich der Energieversorgung dient, heute auch Wanderern zugute.
Die Glattalp im Winter
Im Winter ist der Zugang eingeschränkt. Die Verhältnisse sind ernst zu nehmen, schliesslich wird es nirgends in der Schweiz so kalt wie hier. Skitourengänger und Schneeschuhläufer kommen an Tagen mit stabilen Verhältnissen. Alle anderen besuchen die Glattalp besser im Sommer und lassen sich von den Kälterekorden bei einem Kaffee im Tal erzählen. Wer im Winter trotzdem hinaufgeht, holt sich vorher Rat bei Ortskundigen, liest das Lawinenbulletin und nimmt eine vollständige Ausrüstung mit.
Anreise
Mit dem Bus 501 fahren Sie ab Schwyz durch das Muotatal und weiter ins Bisistal bis zur Talstation Sahli. Prüfen Sie dafür den saisonalen Busfahrplan. Von dort bringt Sie die Seilbahn auf die Ebene. Mit dem Auto fahren Sie auf der Bisistalstrasse bis in die Nähe der Talstation, wo die Strasse endet. An schönen Wochenenden sind die Parkplätze knapp, weil dann viele Ausflügler gleichzeitig unterwegs sind. Kommen Sie an solchen Tagen deshalb früh.
Häufige Fragen
Was ist die tiefste je in der Schweiz gemessene Temperatur?
Gemessen wurden rund −52,5 Grad auf der Glattalp im Februar 1991. Weil die Station nicht zum offiziellen Netz gehört, gilt der Wert als inoffiziell. Einen so tiefen Wert hat in der Schweiz aber kein anderer Ort erreicht.
Warum wird es auf der Glattalp so kalt?
Die Glattalp ist ein geschlossenes Hochbecken. In klaren Winternächten sammelt sich dort schwere Kaltluft, die nicht abfliessen kann. So entsteht ein natürlicher Kaltluftsee.
Kann man die Glattalp besuchen?
Ja, im Sommer geht das bequem mit der kleinen Seilbahn ab Sahli im Bisistal. Oben warten die leichte Wanderung um den See und ein Berggasthaus.
Ist es auf der Glattalp auch im Sommer kalt?
Nein, an Sommertagen ist es am See oft angenehm warm. Die extreme Kälte tritt in klaren Winternächten auf.
Wie fit muss ich sein?
Die Wanderung um den See schaffen fast alle. Die weiterführenden Touren Richtung Charetalp oder Braunwald sind dagegen richtige Bergwanderungen.


