Autofreie Dörfer in der Schweiz und wie Sie mit dem ÖV hinkommen
Wer in einem autofreien Dorf ankommt, merkt oft schon nach wenigen Schritten, dass etwas fehlt. Es gibt keine Motoren, keine Parkplatzsuche und keinen Durchgangsverkehr. Zu hören sind Schritte, Kuhglocken und eine Stille, wie es sie in den Alpen vor dem Bau der Strassen gab. Die Schweiz hat eine ganze Reihe solcher Orte bewahrt. Jeder von ihnen ist nur mit Bergbahn, Zug oder Schiff erreichbar. So wird schon die Anreise zu einem kleinen Erlebnis, während das Dorf selbst zum Rückzugsort wird. Unsere Übersicht beginnt mit den beiden Dörfern aus unserer Region.
Der Stoos: Ankunft mit der steilsten Standseilbahn der Welt
Erreichbar mit: der steilsten Standseilbahn der Welt (110 %) ab Schwyz oder der Luftseilbahn ab Morschach · ~1 h 30 ab Luzern
Der Stoos liegt direkt vor unserer Haustür. Kaum ein autofreies Dorf hat eine so eindrückliche Anreise. Sieben Minuten lang fährt die Standseilbahn steil hinauf auf ein sonniges Plateau auf 1300 m. Oben können sich Kinder frei auf den Wegen bewegen, das Gepäck reist mit dem Elektrowägeli. Im Sommer locken die bekannte Gratwanderung und die Wege über das Plateau, im Winter 35 Pistenkilometer und ruhige Abende im Dorf. Auf dem Stoos zeigt sich gut, was fehlende Autos ausmachen: Selbst an gut besuchten Tagen bleibt das Dorf ruhig, weil kein Verkehr durch die Gassen rollt. Mehr zum Stoos: Gratwanderung Stoos, Stoosbahn: Fahrt mit der steilsten Standseilbahn der Welt und Der Stoos im Winter.
Rigi Kaltbad, das autofreie Dorf mit dem Mineralbad
Erreichbar mit: Luftseilbahn ab Weggis oder Zahnradbahn ab Vitznau/Arth-Goldau · ~1 h ab Luzern
Als autofreies Dorf ist Rigi Kaltbad weniger bekannt, weil die Bahnen hier so selbstverständlich wirken. Das Bergdorf auf halber Höhe der Rigi lebt seit 1871 von der Bahn. Damals kamen die Gäste der Belle Époque, heute ist das Mineralbad von Mario Botta ein wichtiger Anziehungspunkt. Dort baden Sie im Freien hoch über dem See, in einem Dorf, in dem kein einziges Auto fährt. Mehr dazu: Rigi: Der Guide zur Königin der Berge und Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad.
Die bekannten Klassiker für eine längere Schweiz-Reise
- Zermatt ist der grosse Name unter den autofreien Dörfern und liegt am Fuss des Matterhorns. Durch die Gassen summen Elektrotaxis, alle Gäste kommen mit dem Zug.
- Wengen und Mürren liegen wie zwei Balkone im Jungfraugebiet. Sie sind mit Bahn und Seilbahn erreichbar und haben sich ihren Charakter seit hundert Jahren weitgehend bewahrt.
- Braunwald ist die Sonnenterrasse des Glarnerlands und mit einer Standseilbahn erreichbar. Gleich östlich unserer Region gelegen, ist es ein guter Tipp für alle, die Ruhe suchen.
- Riederalp und Bettmeralp liegen über dem grossen Aletschgletscher und sind nur mit der Luftseilbahn erreichbar.
- Gimmelwald, Saas-Fee und weitere: Autofreie Dörfer gibt es in den ganzen Alpen. Das Muster ist überall ähnlich, mit der Bahn geht es hinauf und oben kann man durchatmen.
(Für eine Reise durch die Zentralschweiz bieten der Stoos und Rigi Kaltbad dasselbe Erlebnis, ohne die langen Transfers, die für die grossen Namen nötig sind.)
Warum ein autofreies Dorf den Besuch verändert
- Kinder können sich frei bewegen. Eltern, die ihre Kinder seit dem Flughafen kaum von der Hand gelassen haben, entspannen sich auf dem Stooser Dorfplatz sichtbar.
- Die Geräusche der Berge kehren zurück. Man hört Kuhglocken, das Summen der Sesselbahn und die Gespräche an den Tischen. An Strassen gehen diese Klänge im Verkehrslärm längst unter.
- Die Anreise wird Teil des Erlebnisses. Ob Standseilbahn, Schiff oder Zahnradbahn, die Fahrt ist bereits die erste Attraktion und nicht bloss ein Weg, den man hinter sich bringen muss.
- Die Abende gehören den Gästen. Mit den letzten Bahnen fahren die Tagesgäste ins Tal. Wer im Dorf übernachtet, hat es danach fast für sich allein.
- Autofrei ist hier Alltag. Diese Dörfer sind keine Museen. Die Menschen wohnen, arbeiten und gehen hier zur Schule, versorgt werden sie über dieselben Bahnen, mit denen Sie anreisen. Dass keine Autos fahren, ist eine praktische Tradition und nicht das Thema, mit dem die Dörfer werben.
Praktisches
- Gepäck: Die Hotels organisieren den Transport ab der Talstation, auf dem Stoos mit Elektrowägeli. Packen Sie trotzdem so, dass Sie das letzte Stück rollen oder tragen können.
- Abos: Das GA und der Swiss Travel Pass gelten auf der Standseilbahn zum Stoos, auf allen Rigi-Bahnen und auf den Schiffen mit Anschluss dorthin. Mit einem solchen Abo ist die Runde durch die autofreien Dörfer also fast vollständig abgedeckt. Alle Details: Swiss Travel Pass, GA und Halbtax in der Region Schwyz.
- Letzte Bahnen: Die letzte Bahn bestimmt, wie lange Ihr Tag dauert. Notieren Sie sich deshalb die Abfahrtszeiten am Abend, besonders in der Nebensaison, wenn die Fahrpläne ausgedünnt sind.
- Winterzugang: Beide Dörfer unserer Region sind das ganze Jahr erreichbar. Diese Verlässlichkeit macht einen grossen Teil ihres Reizes aus. Mehr zum Winter: Der Stoos im Winter und Rigi im Winter.
Häufige Fragen
Welche Schweizer Dörfer sind komplett autofrei?
Zu den bekanntesten gehören Zermatt, Wengen, Mürren, Saas-Fee, Braunwald sowie Riederalp und Bettmeralp. In der Zentralschweiz sind es der Stoos und Rigi Kaltbad.
Wie kommt man ohne Auto auf den Stoos?
Sie fahren mit dem Zug nach Schwyz, mit dem Bus 501 zur Stoosbahn und dann mit der steilsten Standseilbahn der Welt hinauf. Alternativ nehmen Sie Schiff und Bus nach Morschach und fahren dort mit der Luftseilbahn auf den Stoos. Alle Varianten im Detail: Anreise auf den Stoos ab Luzern und Zürich.
Kann man in autofreien Dörfern übernachten?
Ja, eine Übernachtung lohnt sich sogar besonders, denn nach den letzten Bahnen wird es in den Dörfern ruhig. Um das Gepäck ab der Talstation kümmern sich die Hotels.
Ist Reisen ohne Auto in der Schweiz praktikabel?
Ja, sehr gut sogar, denn das Netz des öffentlichen Verkehrs ist genau dafür ausgelegt. Mit einem GA oder einem Swiss Travel Pass reisen Sie auf der ganzen Runde mit einem einzigen Ticket.


